Der amerikanische Soziologe Rifkin hat im Jahre 2004 das Buch “Der Europäische Traum” geschrieben, das natürlich in meinem Bücherregal Platz erhalten hat. Gleichwohl mir das Lesen durch die vielen dargestellten Zahlen – ich bin halt in der soziologischen und politikwissenschaftlichen Sprache nicht wirklich zu Hause – nicht immer Vergnügen (Warum prallt prahlt er so mit seinem ganzen Detail- und Studienwissen?
) bereitete, will ich auf einen Abschnitt “Netzwerkgeschäfte in einer globalisierten Wirtschaft” vor dem Hintergrund der Censilia-Debatte aufmerksam machen, die sich insbesondere Frau Malmström und Ihre Gleichgesinnten in Ruhe durchlesen sollten.
Vielleicht gelingt mit Rifkin, diese Diskussion auf die “Metaebene” zu hieven:
“Europa [...] scheint die Vorhut der kommenden Veränderungen darzustellen und zum Lehrmeister der Welt bei der Neudefinition der Zukunft zu werden.“
Meine Befürchtung ist, dass mit der eingeschlagenen Politik des Sperrens auch eine Wagenburg im Internet entsteht, die hinderlich sein wird, Lehrmeister der Zukunft zu sein. Das Aufgabenspektrum der in Warschau ansässigen europäischen Grenzschutz-Agentur Frontex wird erweitert? Die Methoden sind nämlich jedenfalls allzu mittelalterlich. Ich zitiere weiter:
“Die Menschheit steht [...] am Scheideweg zwischen einer untergehenden alten Ordnung und dem Heraufdämmern eines neuen Zeitalters. Revolutionäre neue Technologien erzwingen eine fundamentale Änderung unseres räumlichen und zeitlichen Bewusstseins. [...] Die Perspektive des neuen Bewußtseins ist weitaus expansiver und globaler. “
Auch wir, die sich gegen diesen Netzsperren-Spuk wehren, müssen nun europäisch denken, handeln und uns organisieren. Möglicherweise sogar global. Sollte Censilia scheitern, müssen wir darauf achten, dass die Netzsperren nicht doch noch über ACTA eingeführt werden. Auch dazu zitiere ich:
“Nationale Märkte und Nationalstaaten werden [...] als zu eng für eine Welt empfunden, in der immer mehr menschliche Aktivität – sowohl wirtschaftliche wie soziale – alte Grenzen sprengt und den gesamten Globus umspannt.
Die Entstehung eines neuen Wirtschaftssystems beschleunigt die Veränderungen der Herrschaftsmodelle [...]. Dieses Mal wird die nationale Marktwirtschaft von einer globalen Netzwerkwirtschaft herausgefordert, und der Nationalstaat wird teilweise unter neue regionale Politikräume wie die Europäische Union subsumiert.”
Haben die führenden Politiker Angst, diesen Transformationsprozess zu gestalten? Wir brauchen in der Tat eine Neu- und keine Umdefinition der Zukunft!
Mehr Wagemut statt Wagenburg im Internet Interesse des Web.
Posted: März 30th, 2010
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Vor einer Woche nahm ich am Politcamp10 teil – wie im vergangenen Jahr im Radialsystem mit direkter Lage an der Spree. Das Wetter verhinderte allerdings die ausgiebige Nutzung der Terrasse bzw. des Sonnendecks.
Sehr spannend fand ich die session mit Prof. Igor Eidmann zur globalen Wikibewegung – gleichwohl wohl bei der Dolmetschung von Russisch auf Deutsch etwas verloren ging. Aber ich fand den Einwurf, Eidmann möge seine zentralen Thesen nochmals kurz in Englisch präsentieren irgendwie daneben: er hat sich sicherlich ganz bewußt dafür entschieden, russisch zu sprechen und seinen Vortrag mit einer deutschen Präsentation sowie Simultanübersetzung zu begleiten. Warum muss alles englisch sein?! Das reizvolle war auch, die russische Sprache zu hören. Wir sollten, bei allen Vorteilen einer einheitlichen Arbeitssprache, aber nicht darüber weggehen, dass es andere Sprachen und Kulturen gibt.
Als störend habe ich diese Flaniertätigkeiten am ersten Tag empfunden, die am zweiten Tag sehr nachliessen und so ein konzentriertes Zuhören und Debattieren einfacher machten.
Zu kurz, aber ein weiterer interessanter Input war für mich “interaktive Web-TV-Formate”.
Das spannendeste war für mich die Runde zu eGovernment. An dem Thema will ich gern dran bleiben.
Ich sehe noch ein paar Felder, in denen sich das Politcamp weiterentwickeln sollte, um mir die Entscheidung leicht zu machen, auch nächstes Jahr daran teilzunehmen: ¤Diskussionen durch längere sessions vertiefen. ¤Das Motto “Politik trifft Web” durch deutlich mehr Beteiligung von Politik, die nicht nur ihre Promis oder Fachleute schickt, umsetzen. ¤Kreative sessions wie “Twitterlesung” oder “Twittertheater” sollten Raum bekommen. Vielleicht sogar statt der Elefantenrunden, die sich inhaltlich als Kaffeeklatschrunden entpuppten. ¤Eine Gesamtmoderation für das Politcamp, die auch einzelne Sessioninhalte in das Plenum trägt – das der twitterwall zu überlassen, ist mir zu wenig. ¤Mittagsangebot ändern. ¤Mehr Steckdosen installieren und Stabilität des W-LAN-Netzes erhöhen – ich war durchaus damit zu frieden… Dies wäre kein Grund, nicht wieder zu kommen
Jedenfalls sehr klasse Leistung um das Orgateam von Valentin Tomaschek, Hans-Jörg Schmidt und Ralph Makolla!
Posted: März 27th, 2010
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Das Wunderbare: niemand wird gezwungen, am Politcamp teilzunehmen, auch die Möchtegern-Social-Media-BeraterInnen scheinen kaum zu nerven. So habe ich mich gefreut, dass Sozialdemokraten am Camp teilnehmen, auch außerhalb von Wahlkampf ist Interesse vorhanden: der schleswig-holsteinische SPD-Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner, die Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil und Johannes Kahrs sowie die Europaabgeordneten Matthias Groote nebst seiner niederländischen Kollegin Judith Merkis.
Die sogenannte “Elefantenrunde” u.a. mit der Bundesfamilienministerin Schröder war inhaltlich nicht elefantös, über eine Kaffeeklatschrunde hinauszukommen, gelang nicht. Spannend fand ich Igor Eidman mit einem Input zur globalen Verbreitung der Wikibewegung; das faszinierende daran für mich: er sprach russisch. Leider reichten meine Sprachkenntnisse nicht aus, dem Dolmetscher beiseite zu springen… Das ZDF informierte über seine Versuche in Zusammenarbeit mit zeit online und meinvz, Web, Politik und TV informativ zusammenzubringen. Diese Sendekonzepte im Rahmen des Bundestagswahlkampfs sollen bei Spitzenpolitikern zunächst auf Widerstand gestossen sein. Sowohl Steinmeier als auch Westerwelle seien aber geläutert aus der Sendung gegangen… Eine wichtige grundsätzliche Debatte wurde mit dem Panel “Digitale Arbeitswelt” eröffnet…
Nerds, Spinner und Freaks habe ich bisher nicht bemerkt – bis auf ein JuPis (= Junge Piraten)
Dieses Wochenende steigt also das Großevent der Onliner. Knapp 1000 Leute aus der gesamten Republik kommen beim Politcamp10 zusammen. Meine Timeline bei twitter und facebook verraten mir, dass ich den heutigen Abend mit vielen bekannten und neuen Gesichtern bei einen Grillabend am Spreeufer verbringen werde. Mein Vorprogramm: als guter Sozialdemokrat speiste ich im Einstein und werde am Abend an einer Runde zur SPD-Netzpolitik m Bundestag teilnehmen. Ansonsten hoffe ich auf dem Politcamp10 mich vor allem über die “Zukunft der europäischen Websphäre” auszutauschen und neue Ideen zu geben und natürlich zu erhalten!
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Posted: März 19th, 2010
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Allmählich kommt die Organisation einer Plattform innerhalb der SPD zum Thema Netzpolitik voran. Leider hat sich der Bundesvorstand dabei selbst Steine in den Weg gelegt. Zum einem wird wie auf dem Dresdner Parteitag beschlossen, an dem ich auch teilnahm, kein für alle (Nicht)-Mitglieder offenes Forum eingerichtet, sondern ein beratender Gesprächskreis. Rührig hat sich vorwärts.de darum gekümmert, den Kreis ein klein wenig zu vergrößern – durch ein voting, dem ich mich aber verweigerte. Erstens habe ich sehr spät davon erfahren und vor allem habe ich ein anderes Verständnis vom basisdemokratischen Umgang: ich will ein Forum ala Dresdner Beschluss und aus dieser Zusammensetzung wählt das Forum einen Sprecherkreis. Nur so kann partizipative Politik funktionieren; nicht mit Ansagen und Vorgaben von oben. Und alle hätten eine nette Netzpolitik und die SPD die Sympathien…
Posted: Februar 28th, 2010
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